Wissenschaftliche Studien zum Erkennen von Unterzuckerungen durch Hunde
2009 hat die Queen`s Universität in Belfast eine wissenschafltiche Studie veröffentlicht:
"Reaktionen von Hunden auf Hypoglykämien von Patienten mit Typ1 Diabetes"
Die Studie untersuchte ob Hunde die Hypoglykämien von ihren Menschen mit Typ1 Diabetes bemerken.
212 Hundebesitzer bei denen Typ1 Diabetes diagnostiziert wurde nahmen an der Studie teil.
Alle Teilnehmer besassen mindestens 1 Hund.
Die
Studie ergab wirkliche Beweise dafür, dass Hunde fähig sind
Hypoglykämien zu bemerken, meist ohne das vorhandensein von optischen
Anhaltspunkten für den Hund.
138 Hunde dieser Studie ( 65,1% )
zeigten mindestens einmal während einer Hypoglykämie ihres Besitzers
auffälliges Verhalten. Hiervon bemerkten die meisten dieser Hunde fast
alle Unterzuckerungen ihrer Besitzer. Daraus folgerte die Studie, dass
die Verlässlichkeit und Häufigkeit mit der die Hunde vor
Unterzuckerungen warnen relativ hoch ist.
33,6% bemerkten die
Unterzuckerungen sogar bevor ihr Besitzer sie bemerkte, wo das
Verhalten der Hunde die Besitzer erst dazu veranlasste den Blutzucker
zu messen.
An der Studie nahmen Hunde aller Rassen und
Mischlinge teil, sowie jeden Alters und Geschlechts. Die Studie zeigte,
dass es keine Unterschiede in dem erkennen von Unterzuckerungen bzgl.
der Rasse oder Reinrassigkeit, des Geschlechts und des Alters gibt.
Eine Bichon Frisé Hündin kann genauso gut Unterzuckerungen bemerken wie
ein Schäferhundmischlingsrüde.
Die meisten Hunde dieser Studie
zeigten während der Unterzuckerung ein Verhalten das darauf gezielt war
die Aufmerksamkeit des Besitzers zu erlangen. Fast jede dieser
gezeigten Reaktionen die die Hunde zeigten, hatte auch zur Folge, dass
der Hund den räumlichen Abstand zwischen sich und seinem Menschen
verringerte:
- 40,6 % stupsen ihren Besitzer mit der Nase an
- 30,4% springen auf ihren Besitzer drauf
- 27,5% lecken das Gesicht ( vor allem im Bereich des Mundes )
- 21,7% lecken die Hand ihres Besitzers
Andere Hunde zeigten Lautäusserungen:
- 32,6% fiepen
- 24,6% bellen
- 4,3% heulen wie ein Wolf
Viele Hunde werden auch unruhig:
- 38,4% sind aufgeregt, laufen immer hin und her und springen am Besitzer hoch
Einige Hunde sind ruhiger:
- 41,3% starren ihrem Besitzer unentwegt ins Gesicht
- 39,1% folgen ihrem Besitzer wie ein Schatten
- 10,1% setzen sich direkt vor den Besitzer
Wenige Hunde zeigten auch Anzeichen von Unwohlsein:
- 7,2% zittern
- 5,1% laufen in andere Räume
- 2,2% hecheln
Manche Hunde versuchen auch jemand anderen zu Hilfe zu holen:
- 10,9% versuchten die Aufmerksamkeit von jemand anderem im Haus zu bekommen und ihn zu dem Diabetiker zu bringen
Es gibt auch Hunde die ihren Besitzer nachts aus dem Schlaf aufwecken:
- 20,3% der Hunde wecken ihren Besitzer im Schlaf bei einer Unterzuckerung auf
Die
Hunde zeigten zum Teil mehrere dieser Anzeichen während einer
Unterzuckerung oder wechselten die Anzeichen bei weiteren
Unterzuckerungen.
Allerdings ergab die Studie auch
Erkenntnisse dahingehend, dass nicht jeder Hund Unterzuckerungen
erkennen kann. So war das Ergebnis bei Mehrhundbesitzern ( 2 oder mehr
Hunde ) die an der Studie teilnahmen, dass immer nur 1 Hund des
Diabetikers Unterzuckerungen erkennen konnte, während die anderen Hunde
kein auffälliges Verhalten zeigten.
Obwohl die Studie zuerst
einmal nur herausfinden wollte, ob die Hunde überhaupt Unterzuckerungen
erkennen können, gab sie auch Aufschluss darüber, welche Signale die
Hunde in den Hypoglykämien ihrer Besitzer erkennen können.
Die
Studie geht davon aus, dass es am wahrscheinlichsten ist, dass die
Hunde einen veränderten Geruch im Atem und im Schweiss des Diabetikers
wahrnehmen. Es ist davon auszugehen, dass Hunde Veränderungen in der
chemischen Zusammensetzung des Schweisses ihres Besitzers wahrnehmen
können, die während einer Unterzuckerung geschehen. Beweis hierfür ist,
dass 20,3% der Hunde die Diabetiker nachts aus dem Schlaf geweckt haben
als es keine anderen Möglichkeiten der Anzeichen als den Geruch geben
konnte. In den meisten dieser Fälle schliefen die Hunde in einem
anderen Raum und in einigen Fällen war die Tür sogar verschlossen, so
dass die Hunde an der Tür kratzten um sich bemerkbar zu machen.
Obwohl
alles für eine geruchliche Erkennung spricht, kann noch nicht
vollständig ausgeschlossen werden, ob die Hunde nicht zusätzlich auch
auf Veränderungen der Stimmung des Besitzers reagieren (viele
Diabetiker werden gereizter wenn ihr Blutzucker sinkt) oder auf
optische Anzeichen (manche Diabetiker zittern, verlieren die
Orientierung, werden bewusstlos oder haben einen Krampfanfall).
Hierfür
streben die Wissenschaftler noch weitere Studien an um zu beweisen
welche Anzeichen die Hunde bei einer Unterzuckerung wahrnehmen.
Die
Studie geht davon aus, dass dann hierfür ausgebildete Hunde und
elektronische Sensorensysteme als Frühwarnsystem für Menschen mit
Diabetes eingesetzt werden können bevor die stark beeinträchtigende
Wirkung der Hypoglykämie einsetzt.
1992 wurde in dem Journal "Diabetic
Medicine" eine Studie des Gesundheitszentrums in Bristol und Berkeley
vorgestellt, bei der 50 insulinpflichtige Diabetiker untersucht wurden
die mit Haustieren zusammenleben. 38% der Diabetiker gaben an, dass
ihre Hunde auf Unterzuckerungen reagieren, indem sie entweder bellen
oder eine weitere Person zu Hilfe holen. Das führte die Forscher zu der
Annahme, dass Hunde Typ1 Diabetikern während einer Unterzuckerung
helfen können.
2000 wurde in dem "British Medical Journal" eine Studie veröffentlicht
bei der Forscher der Universität Liverpool schrieben, dass Hunde die
Lösung sein könnten nach der wir alle gesucht hatten um niedrige
Blutzuckerwerte zu erkennen - als ein Alarmsystem das kein Blut
benötigt und patientenfreundlich ist. In der Studie wurden drei
Diabetikerinnen und ihre Hunde betreut. Bei allen drei Diabetikerinnen
veränderte sich das Verhalten der Hunde bei ihren Blutzuckerwerten von
27 mg/dl, 29 mg/dl, 34 mg/dl und 36 mg/dl. Das Verhalten der
Diabetikerinnen während einer Hypoglykämie unterschied sich von
Ängstlichkeit über Benommenheit, Schwäche, Gereitztheit und
Verwirrtheit. Das
einzige was alle drei gemeinsam hatten war das Schwitzen. Nach der
Studie stand für die Forscher fest, dass Hunde Unterzuckerungen
wahrnehmen können - denn in zwei der Fälle reagierten die Hunde bereits
bevor die Diabetikerin selber die Symptome bemerkte.